Quelle: „Anschauliche Pharmakologie“.


Autor: X. Lüllmann. Übersetzung aus dem Deutschen. Verlag: M.: Mir, 2008.

Die Erhöhung der Konzentration von Noradrenalin im synaptischen Spalt verstärkt die Erregung adrenergischer Rezeptoren. Dies kann man auf folgende Weise erreichen:

  • Beschleunigung der neuronalen Freisetzung von Noradrenalin.
  • Blockierung der Verringerung seiner synaptischen Konzentration, insbesondere durch die neuronale Rückaufnahme mit anschließender Anreicherung in Vesikeln oder Spaltung durch Monoaminooxidase (MAO).
  • Chemisch veränderte Substanzen unterscheiden sich in ihrer Affinität zu diesen Systemen von Adrenalin und beeinflussen spezifisch eine bestimmte Funktion.

Monoaminooxidase-Hemmer wirken hauptsächlich auf die in Mitochondrien lokalisierte MAO, die die Noradrenalin-Konzentration in Axoplasmen verringert. Bei Hemmung der MAO steigt die Noradrenalin-Konzentration. Da Dopamin ebenfalls durch MAO inaktiviert wird, stehen bei Hemmung des Enzyms große Mengen an Dopamin für die Noradrenalin-Synthese zur Verfügung. Die Menge an Noradrenalin in den Vesikeln nimmt zu, und seine Freisetzung bei Erregung ist erhöht.

Die MAO-Hemmung im ZNS beeinflusst nicht nur die Anreicherung von Noradrenalin, sondern auch von Dopamin und Serotonin. Dies führt möglicherweise zu einer allgemeinen Aktivierung und Stimulation des ZNS (thymolepische Wirkung). Moclobemid ist ein reversibler Hemmer der MAO-A und wird als Antidepressivum eingesetzt. Der MAO-B-Hemmer Selegilin findet Anwendung als Antiparkinsonmittel, da er die Dopamin-Konzentration erhöht.

Alpha-Adrenomimetika

Alpha-Adrenomimetika können folgendermaßen angewendet werden:

  • Systemisch zur Erhöhung des Blutdrucks bei bestimmten Formen der Hypotonie.
  • Lokal zur Verringerung von Schleimhautschwellungen in der Nase oder Bindehaut sowie in Kombination mit lokalen Anästhetika zur Reduktion lokaler Blutungen. Eine lokale Durchblutungsverminderung kann jedoch zu Sauerstoffmangel des Gewebes bis hin zum Absterben führen, was besonders für Finger, Zehen und Ohren gefährlich ist. Daher dürfen bei Lokalanästhesie an diesen Körperteilen keine gefäßverengenden Mittel angewendet werden.

Alpha-Adrenomimetika bewirken zunächst eine Gefäßverengung, gefolgt von einer Gefäßerweiterung (reaktive Hyperämie). Diese Reaktion lässt sich nach Anwendung von alpha-adrenergen Tropfen in die Nase (Naphazolin, Tetryzolin, Xylometazolin) beobachten. Die Gefäßverengung führt zu einer Verminderung der Durchblutung der Nasenschleimhaut und einem Rückgang des Kapillardrucks. Das interstitielle Ödemflüssigkeit kann dann über die Venen abfließen, die Schleimsekretion nimmt ab und die Nasenatmung wird wieder frei. Nach der Vasokonstriktion tritt eine Phase der reaktiven Hyperämie ein: Flüssigkeit aus dem Plasma strömt in den Interstitialraum, und die Nasenatmung wird wieder erschwert. Daher muss der Patient die Tropfen erneut anwenden. So entsteht ein Teufelskreis, der zum ständigen Gebrauch der Tropfen führt. Dieser Zustand wird als „Privinsmus“ bezeichnet, nach dem Handelsnamen des Präparats „Privin“, das als erstes Nasentropfen auf den Markt brachte. Anhaltender Sauerstoffmangel kann zu irreversiblen Schäden der Nasenschleimhaut führen.

Häufig gestellte Fragen

Was sind Sympathomimetika mit indirekter Wirkung?

Sympathomimetika mit indirekter Wirkung, auch Adrenomimetika genannt, erhöhen die Konzentration von Noradrenalin im synaptischen Spalt und verstärken so die Erregung adrenergischer Rezeptoren.

Wie funktionieren Adrenomimetika?

Adrenomimetika können dies auf verschiedene Weise erreichen: durch Beschleunigung der neuronalen Freisetzung von Noradrenalin, Blockierung der Wiederaufnahme oder Hemmung des Abbaus durch Monoaminooxidase (MAO).

Wie wirken MAO-Hemmer?

MAO-Hemmer blockieren vor allem die in Mitochondrien lokalisierte MAO, die Noradrenalin abbaut. Dadurch steigt die Noradrenalin-Konzentration. Gleichzeitig wird auch der Abbau von Dopamin gehemmt, was die Noradrenalin-Synthese fördert.

Welche Anwendungsmöglichkeiten haben Alpha-Adrenomimetika?

Alpha-Adrenomimetika können systemisch zur Blutdruckerhöhung bei Hypotonie sowie lokal zur Abschwellung der Nasenschleimhaut oder Bindehaut eingesetzt werden. In Kombination mit Lokalanästhetika können sie auch Blutungen reduzieren.

Welche Nebenwirkungen haben Alpha-Adrenomimetika?

Alpha-Adrenomimetika können zunächst eine Gefäßverengung und anschließend eine Gefäßerweiterung (reaktive Hyperämie) auslösen. Dies kann zu einem Teufelskreis aus ständiger Tropfenanwendung und Schleimhautschädigung führen.

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