Es gibt bislang keine Heilmittel zur Behandlung von Gehirnerschütterungen. In diesem Kontext gewinnen die frühe Erkennung, die Schwereeinschätzung und die Behandlung der Gehirnerschütterung sowie ihrer Folgen sowie die Verhinderung wiederholter Verletzungen und einer Verschlimmerung der bestehenden Verletzung bei zu früher Rückkehr zu körperlichen Belastungen besondere Bedeutung. Wenn die Symptome nach einem Monat nicht verschwinden oder so ausgeprägt sind, dass der Athlet sie nur schwer erträgt, kann eine symptomatische Behandlung verordnet werden: Zum Beispiel Venlafaxin oder Sumatriptan jeweils zur Prophylaxe oder Behandlung posttraumatischer Migräne (oder eine Kombination daraus). Bei Schwindelgefühl, Gleichgewichtsstörungen oder Präsynkopen kann der Patient an eine Spezialklinik oder einen Neurologen zur weiterführenden Untersuchung überwiesen werden. Bei anhaltender Ermüdung oder Aufmerksamkeitsstörungen kann die Verschreibung eines Psychostimulans oder eines ähnlichen Medikaments (z.B. Atomoxetin) durchaus gerechtfertigt sein. Bei schweren kognitiven Beeinträchtigungen kann der Patient an Rehabilitationsmaßnahmen überwiesen werden. Die beschriebenen Methoden können zwar einige Symptome lindern, beseitigen aber nicht die mit der Gehirnerschütterung einhergehenden Stoffwechselstörungen.

Prognose

Wie bereits erwähnt, müssen die Forscher die Stoffwechselstörungen bei Gehirnerschütterungen des Menschen erst noch genau klären. Dennoch liefert das bestehende pathogenetische Modell wichtige praktische und wissenschaftliche Informationen in Bezug auf die Prognose. Anhand wissenschaftlicher Daten ist festgestellt worden, dass das Nervensystem so lange anfälliger für Verletzungen (selbst sehr leichte, minimale) sein kann, wie die Stoffwechselstörungen andauern. Eine Wiederholung der Verletzung in diesem Zeitraum führt zum Syndrom der wiederholten Gehirnerschütterung.

Dieses Syndrom ist in der Literatur bereits beschrieben worden, und laut Veröffentlichungen hat es in den letzten 10 Jahren mindestens 35 Todesfälle von Sportlern verursacht (möglicherweise sogar noch mehr). In allen Fällen hatten die Sportler nach einer Gehirnerschütterung ihre sportliche Tätigkeit fortgesetzt und eine erneute, in der Regel weniger schwere Gehirnerschütterung erlitten. Die wiederholte Verletzung führte zu einer Störung der Autoregulation des Hirnblutflusses, zu einem massiven Hirnödem, zu einem Einklemmen im Tentorialschlitz und zum Koma, woraufhin nach kurzer Zeit der Tod eintrat. Die Häufigkeit schwerer Komplikationen beim Syndrom der wiederholten Gehirnerschütterung beträgt 100%, die Sterblichkeit beträgt nach Berichten etwa 50%. Bislang wurde das Syndrom der wiederholten Gehirnerschütterung nur bei jungen Sportlern, üblicherweise bei Oberstufenschülern, beschrieben. Es wird vermutet, dass in jungen Jahren die Autoregulation des Hirnblutflusses leichter gestört wird oder das unreife Gehirn anfälliger für die Folgen dieses Zustands ist. Um diese Annahmen gibt es Kontroversen. Es wird auch bezweifelt, dass für die Entstehung des Syndroms eine wiederholte Gehirnerschütterung erforderlich ist.

Klinische Erfahrung und Forschung deuten darauf hin, dass eine korrekte Behandlung ein günstiges Ergebnis mit minimalem chronischem oder schwerem Hirnschaden oder ohne einen solchen erwarten lässt. Dauerhafte Folgen in Form des postkommotionellen Syndroms wurden auch nach einer einmaligen Gehirnerschütterung beobachtet, ihre Häufigkeit nimmt jedoch bei wiederholter Gehirnerschütterung mit falscher Behandlung und zu früher Rückkehr zum Sport nach der ersten Gehirnerschütterung deutlich zu. Das postkommotionelle Syndrom äußert sich in der Regel durch eine Kombination somatischer (Kopfschmerzen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen), kognitiver (Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionsstörungen) und persönlichkeitsbezogener (Depression, Angst) Störungen in Verbindung mit Schlafstörungen (Einschlafstörungen und häufige Aufwachphasen), die lange andauern und die Arbeitsfähigkeit der Patienten beeinträchtigen können, auch wenn die Patienten nicht immer darüber berichten. Die Dauer des postkommotionellen Syndroms ist recht variabel, es wurde bei Sportlern über mehrere Monate und sogar Jahre beobachtet. Die genaue Verbreitung des postkommotionellen Syndroms unter Sportlern ist nicht bekannt, aber nach Beobachtungen tritt es recht häufig auf, insbesondere bei Oberstufenschülern.

Ärzte sind sich einig, dass die Erlaubnis zur Teilnahme an Kontaktsportarten vor vollständiger Genesung das Risiko eines ungünstigen Verlaufs – des chronischen postkommotionellen Syndroms und sogar schwerer neurologischer Komplikationen (wie im Falle des Syndroms der wiederholten Gehirnerschütterung) – erheblich erhöhen kann. Um das Ergebnis zu verbessern, muss der Arzt daher zunächst die Schwere korrekt einschätzen und die richtige Behandlungsstrategie für die akute und nachfolgende Phase der Gehirnerschütterung wählen. Das Behandlungsprotokoll wird weiter unten in diesem Kapitel vorgestellt.

Charakteristik der Behandlungskonzepte

In den letzten 30 Jahren wurden mehr als 20 Empfehlungskataloge zur Behandlung von Gehirnerschütterungen veröffentlicht, in denen die Einschätzung der Verletzungsschwere und der Zeitpunkt der Rückkehr zum Sport im Mittelpunkt standen. Die meisten Empfehlungen wurden auf der Grundlage von Expertenmeinungen oder klinischen Beobachtungen entwickelt. Die Schwere der Gehirnerschütterung wurde anhand einer dreigliedrigen Skala bewertet: Eine Gehirnerschütterung 1. Grades wurde als Persistenz der Symptome für nicht mehr als 15-20 Minuten eingestuft, eine Gehirnerschütterung 2. Grades als Persistenz der Symptome für länger als 15-20 Minuten und eine Gehirnerschütterung 3. Grades als Gehirnerschütterung mit Bewusstseinsverlust. Ein sorgfältiger Vergleich dieser Empfehlungen und Skalen zeigt jedoch viele Unterschiede in der praktischen Herangehensweise. Diese Unterschiede sowie die Tatsache, dass die Skalen oft auf klinischen Beobachtungen anstatt auf wissenschaftlichen Daten beruhten, und die große Zahl an Empfehlungen insgesamt führten zu Kontroversen unter Ärzten und trugen dazu bei, Gehirnerschüt

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Hauptziele bei der Behandlung von Gehirnerschütterungen?

Die Hauptziele sind die frühe Erkennung, die Einschätzung der Schwere sowie die Behandlung der Gehirnerschütterung und ihrer Folgen, und die Verhinderung wiederholter Verletzungen und einer Verschlimmerung der bestehenden Verletzung bei zu früher Rückkehr zu körperlichen Belastungen.

Welche Behandlungsoptionen gibt es bei anhaltenden Symptomen?

Bei anhaltenden Symptomen, die der Athlet nur schwer erträgt, können symptomatische Behandlungen wie Venlafaxin oder Sumatriptan zur Migräneprophylaxe oder -behandlung oder eine Kombination davon verschrieben werden. Bei Gleichgewichtsstörungen kann eine Überweisung an eine Spezialklinik oder einen Neurologen sinnvoll sein. Bei anhaltender Ermüdung oder Konzentrationsschwäche kann die Verschreibung eines Psychostimulans wie Atomoxetin gerechtfertigt sein. Bei schweren kognitiven Beeinträchtigungen können Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich sein.

Welche Komplikationen können bei Gehirnerschütterungen auftreten?

Das Hauptrisiko ist das Syndrom der wiederholten Gehirnerschütterung, das zu schweren Komplikationen wie massivem Hirnödem, Einklemmungen und letztlich zum Tod führen kann. Auch das postkommotionelle Syndrom mit anhaltenden somatischen, kognitiven und psychischen Symptomen ist eine mögliche Komplikation, insbesondere bei wiederholten Gehirnerschütterungen.

Warum ist der richtige Behandlungsansatz so wichtig?

Um das Risiko schwerer Komplikationen wie des postkommotionellen Syndroms oder des Syndroms der wiederholten Gehirnerschütterung zu minimieren, ist es entscheidend, die Schwere der Gehirnerschütterung korrekt einzuschätzen und die richtige Behandlungsstrategie für die akute und nachfolgende Phase zu wählen. Eine zu frühe Rückkehr zum Sport kann das Risiko deutlich erhöhen.

Welche Rolle spielen Empfehlungen und Behandlungsprotokolle?

In den letzten 30 Jahren wurden viele unterschiedliche Empfehlungen zur Behandlung von Gehirnerschütterungen entwickelt, die sich in der praktischen Herangehensweise teils stark unterscheiden. Die Vielzahl an Empfehlungen trug zu Kontroversen unter Ärzten bei und förderte die Entwicklung individueller Behandlungsprotokolle, die dem individuellen Ansatz mehr Gewicht beimessen als allgemeingültige Skalen.

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